Das geht uns alle an: Hetze im Netz

Man sollte meinen, dass der Mensch als solcher intelligent genug sei, um aus alten Fehlern zu lernen (Stichwort: Drittes Reich). Eigentlich. Wenn man sich online jedoch ein wenig umschaut, kommen da schnell Zweifel auf. Hast du dich in letzter Zeit mal in Foren rumgetrieben oder Kommentare unter Artikeln und Posts gelesen? Wir finden es zum Haare raufen. Zum An-die-Decke-gehen. Zum Kopfschütteln. Und, auf gar keinen Fall lustig oder auf die leichte Schulter zu nehmen.

Hasskommentare. Hetze. Beleidigungen. Und, dabei ist das Thema oft völlig egal. Es scheint fast, als bedürfte es eines beliebigen Posts oder Kommentars, um einen riesigen Shitstorm oder eine Hasstirade an Kommentaren auszulösen. Ohne Hemmungen werden Leute beschimpft, gedemütigt und gemobbt. Insbesondere das Thema Flüchtlingspolitik ist ganz weit vorn mit dabei. Aber, auch gezieltes Mobbing spielt im Netz (leider) eine große Rolle.

Mit unserem heutigen Post wollen wir auf eine gefährliche Dynamik aufmerksam machen, die uns alle etwas angeht: verbale Gewalt im Netz. Du. Wir. Ihr. Ich. Wir alle tragen Verantwortung für einen möglichst angenehmen Umgang miteinander.

Ein kleiner Augenöffner, für alle die das Internet nutzen.

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Woher kommt die Dynamik eigentlich?

Erst einmal: der Hass, der sich in fiesen Kommentaren niederschlägt, stammt nicht aus dem Netz. Er kommt aus den Köpfen der User. Aber, das Internet ist ein Kanal über den sich Luft verschafft werden kann. Hier kann gehetzt, geschimpft und beleidigt werden, (leider) oft ohne, dass man dafür belangt werden kann. Das Netz kann Hass und Frustration multiplizieren. Es wird sich immer jemand angesprochen fühlen und Hass-Poster mit ihrer Meinung unterstützen.

Da wir im Netz unser Gegenüber nicht sehen können, wissen wir auch nicht, welche Reaktion unsere Kommentare auslösen. Das kann zum einen offene Beschimpfungen leichter machen, aber gleichzeitig auch frustrierend sei: Habt ihr euch schon einmal mit jemandem gestritten, der partout nicht diskutieren möchte? Jemand, der keine Reaktion zeigt, wenn man selbst schon auf 180 ist? Puh. Frustrierend! Das kann zusätzliches Öl im Feuer sein. Die Folge: einige user reagieren mit Trotz und Hemmungslosigkeit. Ganz nach dem Motto: „Mir kann niemand etwas!“

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Zudem begünstigt das Internet den sogenannten Echokammer-Effekt: Auch, wenn wir im Internet die Möglichkeit haben, mit unendlich vielen anderen Menschen in Kontakt zu kommen, umgeben wir uns online und offline dennoch bevorzugt mit Menschen, die eine ähnliche Meinung zu bestimmten Themen mit uns teilen. Im Netz wird dieses Phänomen durch Algorithmen zusätzlich verstärkt. Gehen wir einmal von Facebook aus:  Dort werden vor allem Inhalte an uns ausgespielt, die denen ähnlich sind, die wir bereits gelikt haben. Dieses Phänomen nennt sich Filterblaseneffekt.

Beide Effekte, sorgen dafür, dass wir, egal in welchen Bereichen unseres Lebens, weniger aus dem Rahmen fallen. Wir bleiben unter unseresgleichen. Logisch. Denn, wir bewegen uns, Dank Algorithmus, hauptsächlich unter Menschen, die uns ähnlich sind, und seltenunter Menschen, die eine andere Meinung zum selben Thema vertreten.  Klingt gar nicht so verkehrt? Kann aber zur Radikalisierung führen.

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Die weitreichenden Folgen

Stumpfen wir immer weiter ab? In der Anonymität des Internets drohen Hass und Hetze alltäglich zu werden. Im Schutze der Anonymität verbreiten gesichtslose User teilweise ihre giftigen Kommentare. Und, es scheint, als würden es immer mehr. Ohne ein direktes Gegenüber brechen Hemmschwellen weg, die ein Aussprechen des Unsagbaren überhaupt erst möglich machen. So werden nicht nur Vorurteile geschürt, sondern auch Feindbilder geschaffen.

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Der nette türkische Arbeitskollege, den man morgens im Fahrstuhl begrüßt ist dann plötzlich ganz anders als der „verlogene syrische Flüchtling, der sich in Deutschland durchschmarotzt“ und, über den man sich im anonymen Netz auslässt. Die nette und attraktive Nachbarin, der man eher schüchtern gegenübersteht wird da schnell „zur geilen Bitch“. Im echten Leben würden die meisten solche einen Ton nicht über die Lippen bringen. Nicht mal ein Tönchen.

 

Menschen werden beleidigt und bedroht. Das beschränkt sich nicht nur auf Hass und Hetze gegen Flüchtlinge. Rassismus im Allgemeinen. Homophobie. Sexismus. Sie alle machen sich leider inzwischen auf fast allen erdenklichen Kanälen und Webseiten in den Kommentarspalten breit. Doch, als wäre es nicht schlimm genug, beschränken sich Hass und Hetze nicht nur auf das Netz. Sie haben einen großen Einfluss auf unsere Gesellschaft.

Die Medien – vor allem die sozialen Medien- haben einen großen Einfluss auf unser Denken und Handeln. Bereits 2016 hat sich weltweit ein Bild abgezeichnet: mit gezielten Falschinformationen, durch IT-Angriffe und Hacking, aber auch den Einsatz von „Social Bots“ lässt sich die gesellschaftliche Meinungsbildung stark beeinflussen. Wir sind manipulierbarer geworden. Und, wenn wir kommentieren, vergessen wir oft, dass hinter Videos, Podcasts, Fotos, Posts echte Menschen stehen. Uns fehlt der Bezug.

Was du (und wir alle) tun kannst

Welche Wege haben wir, mit diesem Problem umzugehen? Die 5 folgenden Punkte liefern gute Lösungsansätze:

1 Mit Ignoranz strafen

Du erhältst auf deinen eigenen Post einen unangemessenen Kommentar? Diesen User mit Ignoranz zu strafen, könnte eine Lösung sein. Allerding kann es passieren, dass sich der Hetzer mangels jeglicher Reaktion in seiner Aussage bestärkt fühlt. Auch andere Nutzer könnten vermuten, dass der „nette“ Kommentator im Recht und seine Meinung deshalb unanfechtbar ist. Du solltest hier abwägen, um welche Art des Kommentars es sich handelt. Ignorieren ist hier keine Lösung? Dann stellt Punkt zwei eine gute Alternative dar.

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2 Klug und sachlich diskutieren

In manchen Fällen kann es durchaus Wirkung zeigen, etwas Contra zu geben. Doch, Achtung: achte darauf, dass du selbst den richtigen Ton triffst. Selbst, wenn der andere unter die Gürtellinie schießt, solltest du dich nicht provozieren lasse, auf dasselbe Niveau herabzuklettern.

Bringe schlüssige Argumente an. Bleibe dabei sachlich. Informiere dich ggf. noch mehr über das betreffende Thema, um mit fundiertem Wissen und nicht mit provokativer Propaganda in den Schlagabtausch hineinzugehen. Gleichgesinnte werden dir mit etwas Glück den Rücken stärken und den aggressiven Poster sachlich in seine Schranken verweisen. Je mehr (sachliche!) Gegenstimmen er erhält, umso kleinlauter wird er.

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3 Beim Seitenbetreiber melden

Leider können ein gekonntes Ignorieren oder kluges Argumentieren nicht jeden Störer mondtot machen. Scheue deshalb nicht davor zurück, einen unangemessenen Beitrag oder User bei dem jeweiligen Plattform-Betreiber zu melden. Dieser kann den User dann sperren und seine unangebrachten Kommentare löschen. So wird verhindert, dass diese andere User anstacheln, ihn zu unterstützen.

„Bringt ja eh nix?“ Das sehen wir anders: Auch, wenn du einen Beitrag »nur« meldest, machst du bereits einen Punkt und zeigst Zivilcourage!

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4 Löschen!


Du hast einen Hass-Kommentar auf deiner eigenen Seite bzw. deinem Profil gesehen? Dann liegt die Verantwortung hier bei dir, etwas zu unternehmen. Dir erscheint etwas unangemessen? Dann heißt es: Löschen! Das ist unter Umständen leichter gesagt als getan. Vor allem, wenn der Hate-Poster ein Freund, Bekannter oder sogar ein Familienmitglied ist. Suche den Dialog mit dem Poster. Und, wenn alles nichts hilft, denke darüber nach, ob eine Reduktion deiner Freundesliste eine weitere angemessene Maßnahme wäre.

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5 Biete deine Unterstützung an

Du bekommst mit, dass jemand gezielt von einem oder mehreren Usern angegangen wird? Trete mit dem oder den Betroffenen in Kontakt und finde heraus, in wieweit du ihn unterstützen kannst. Möchte er das Problem selbst in die Hand nehmen oder siehst er dankbar, Unterstützung zu erhalten?

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Fazit

Das Internet allein können wir nicht für Hasskommentare und Hetze verantwortlich machen. Aber, wir können lernen, uns mit einem kritischeren Blick im Web zu bewegen. Dir fällt ein Kommentar oder eine Diskussion auf, die dir fehlgeleitet erscheint? Dann überlege dir, wie du schlichten kannst. Du musst dich dazu nicht unbedingt aktiv beteiligen. Bereits das Melden eines unangemessenen Kommentars kann eine positive Wirkung haben. Wenn du dich für den Konfrontationskurs entscheidest, denke daran, sachlich zu bleiben und nicht noch mehr Öl ins Feuer zu gießen.

Wir müssen uns bewusstmachen – vor allem auch außerhalb des Netzes – wo die menschenfeindlichen Einstellungen ihre Wurzeln haben. Wo haben wir vielleicht selbst Vorurteile? Können wir sachlich auch außerhalb des Internets über Ängste und Frustrationen sprechen? Uns beispielsweise mit Freunden und Bekannten austauschen?

Und, zu guter Letzt: Hinter geposteten Inhalten stehen Menschen, die ein fieser Kommentar hart treffen kann. Wir sollten unser Bewusstsein dahingehend schärfen, dass die Anonymität im Netz vielleicht gar nicht so anonym ist, wie es auf den ersten Blick erscheint.

 

Keyvan

Es gab genau zwei Möglichkeiten: Entweder ich rege mich weiter über vermeintliche Social Media und Content Marketing "Profis" auf oder ich tue etwas dagegen - ich habe mich für Letzteres entschieden und gründete gemeinsam mit meinem Co-Partner die Hamburger Social Media Agentur media by nature, denn: Wir lieben Facebook, Instagram, Twitter & Co. und wissen genau welche Taktiken hier für langfristige und nachhaltige Ergebnisse sorgen. Übrigens: meinen Kaffee trinke ich immer schwarz und freie Minuten gehören voll und ganz meiner kleinen Familie zuhause.