Die sozialen Medien und die Filterblase – Eine explosive Mischung?

Facebook. Twitter. Xing. Linkedin. Instagram. Die meisten von uns sind in mindestens einem sozialen Netzwerk aktiv. Was wir dort tun? Digital Freunde treffen. Nachrichten austauschen. Informationen einholen. Doch, was viele nicht wissen: das Internet – vor allem aber das Social Web – ist nicht nur eine Möglichkeit, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten, es isoliert uns auch. Twitter-Meldungen, Facebook-Posts. Leseempfehlungen. Kein Feed gleicht dem anderen. Wollen wir wetten? Ob wir wollen, oder nicht: die personalisierte Welt der sozialen Medien hält uns in unserem eigenen Weltbild gefangen.

Was die Folgen sind und was wir gegen die sogenannte Filterblase tun können, verraten wir euch in unserem heutigen Blog-Beitrag.

 

Was ist die Filterblase?

Die sogenannte Filterblase oder auch Informationsblase ist ein Begriff der durch den Internetaktivisten Eli Pariser geprägt wurde. Nach seiner Definition basiert diese Blase auf Algorithmen anhand welcher Webseiten versuchen, vorherzusagen, welche Inhalte für unterschiedliche User interessant sein könnten. Diese Algorithmen sind auf das jeweilige Nutzerverhalten zurückzuführen. Sprich: Die Suchhistorie, das Klickverhalten und der Standort eines Users veranlassen Webseiten dazu, bestimmte Inhalte als für ihn relevant einzuschätzen und an ihn auszuspielen. Andere Inhalte werden kategorisch ausgeklammert.

Was auf den ersten Blick den Vorteil hat, nicht mit irrelevanten Posts und Artikeln bombardiert zu werden, resultiert für den User jedoch gleichzeitig in einer Isolation gegenüber Informationen, die für ihn als nicht relevant eingeschätzt werden. Die Folge: das selektive Ausspielen von Inhalten führt automatisch dazu, dass ein bestimmter Standpunkt, eine politische Einstellung etc. des Users bestätigt wird. Inhalte, die diesen kritisch gegenüberstehen, werden dem User nur bedingt angezeigt. Der User fühlt sich in seinem Weltbild bestätigt.

 

Gleich und gleich gesellt sich gern

Ein Beispiel, dass ihr sicherlich schon am eigenen leib erfahren habt, ist das Ergebnis von Googles personalisierten Suchergebnissen. Oder, habt ihr schon einmal euren Newsfeed bei Facebook mit dem von Freunden verglichen? Manchmal erhält man dort tatsächlich den Eindruck, in unterschiedlichen Welten zu leben. Bittet Freunde darum bei Google nach dem selben Begriff zu suchen wie ihr. Ihr werdet euch wundern, welche Ergebnisse Google euch jeweils ausspuckt.

Was einigermaßen harmlos klingt, kann jedoch weitreichende gesellschaftliche Folgen haben. Bedenken wir nur einmal den Einfluss, den diese Filterblase beispielsweise auf politische Wahlen haben kann: in einer demokratischen Gesellschaft herrscht ein offener Meinungsaustausch. Damit einher geht auch immer ein Buhlen um die besten Ideen und eine offene Argumentation um das Für und Wider einer Idee oder Meinung. Doch, wie tolerant sind wir noch, in einer Gesellschaft, in der wir uns bewusst oder unbewusst nur noch unsere eigene Meinung bestätigen lassen?

Natürlich gibt es diese Filterblasen auch außerhalb des Internets und der sozialen Medien. Doch, diese können dieses Phänomen verstärken. Wer sich nicht für andere Meinungen interessiert, der wird vom Brexit oder Präsident Trump überrascht, weil diese Themen in der eigenen Timeline nicht auftauchen.

 

Übertriebene Panikmache?

Wie zu so vielen Themen, gehen auch die Meinungen zur Filterblase auseinander. Ist sie wirklich ein Problem, oder hat sie nur einen minimalen Effekt auf Gesellschaft und Meinungsbildung? Ist sie sogar einfach abwendbar und gar völlig ungefährlich?  Oder, sind wir als Nutzer Sind wir dank der verhaltensbeeinflussenden Algorithmen nur ein Spielball der Internetkonzerne?

Mit einem Blick auf personalisierte Werbung, liegt die Vermutung nahe, dass es (noch) nicht so dramatisch aussieht wie manch einer meint. In manchen Fällen trifft die Anzeige ins Schwarze. In anderen Fällen liegt sie jedoch völlig daneben. Oder, weshalb sollte mir mit Anfang 30 Werbung für einen Treppenlift angezeigt werden (genauso ist es mir letzte Woche passiert)? Irgendwie beruhigend, dass auch die Algorithmen nicht allwissend sind.

Aber, ist das ein Grund die Filterblase zu ignorieren? Wir denken eher nicht. Sein Bewusstsein dafür zu schärfen wirkt einer potentiellen Manipulation entgegen. Und, wer weiß, wann die Personalisierung aus den Kinderschuhen herausgewachsen ist. Würden wir es überhaupt wahrnehmen? Vorsicht ist besser als Nachsicht. Deshalb ist es sinnvoll, einige Maßnahmen gegen die Filterblase zu kennen.

5 Tipps, wie ihr der Filterblase entkommt

1. Unbequeme Meinungen zulassen

Nicht alles, was dir auf Facebook nicht gefällt, sollte gleich ausgeblendet werden. Likt ein Freund oder Bekannter einen Beitrag oder eine Seite, die dir gegen den Strich geht, entfolge ihm nicht gleich. Denn, um den Algorithmus auszutricksen, ist es besser unbequeme Kommentare, Beiträge und User zu ertragen. So erfährst du gleichzeitig auch mehr über ihre Sorgen und Meinungen. Du stemmst dich somit quasi aktiv gegen eine selektive Wahrnehmung.

2. Sich an Diskussionen beteiligen

Eine effektive Maßnahme, sich selbst der Filterblase zu entziehen und dabei auch noch andere Filterblasen einzureißen, ist eine aktive Beteiligung an Diskussionen auf Facebook und anderen Seiten. Wer sich in eine Diskussion einmischt, auch wenn, oder gerade weil sie einem unbequem ist, kann mit seiner gegenteiligen Meinung der Filterblase Luft entziehen. Natürlich sollte man dabei konstruktiv Kritik üben und keinen Shitstorm oder Streit anstacheln.

3. Anonym surfen

Je besser ihr für Konzerne im Netz erkennbar seid, desto desto gößer die Wahrscheinlichkeit, dass ihr in einer Filterblase landet. Was ihr dagegen tun könnt? Vermeidet es, persönliche Daten von auch preis zu geben, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Beispielsweise könnte ihr dazu über den Browser die Privat-Funktionen aktivieren oder verschiedene Browser nutzen. Zudem könnt ihr euch an Privacy-Plug-ins oder Tor-Browsern versuchen.

4. Personalisierte Dienste mit Vorsicht genießen

Empfehlungen über Webdienste können das Surfen bequemer machen. Gleichzeitig steigt so aber auch die Gefahr in einer Filterblase zu enden. Je weniger ein Webdienst euch Empfehlungen macht, desto kleiner ist die Gefahr, in eine Filterblase zu geraten. Ihr habt Newsletter abonniert? RSS-Reader aktiviert? Auch die hochpersonalisierte Google-Suche könnt ihr mit einem Klick oben rechts zumindest teilweise deaktivieren.

5. Auch Offline einen Perspektivenwechsel wagen

Wie erwähnt, gibt es die Filterblase nicht nur online. Auch im realen Leben haben wir in der Regel mit „Unseresgleichen“ zu tun. Sprich: Unser Freundes- und Bekanntenkreis besteht hauptsächlich aus Leuten mit ähnlichen Einstellungen, Werten und Bildungsgrad. Dementsprechend sieht auch der Medienkonsum innerhalb dieser Gruppe ähnlich aus.  Einen Perspektivenwechsel könnt ihr hier durch das Nutzen neuer Medien (beispielsweise dem Lesen einer anderen Tageszeitung) erreichen. Das Diskutieren neu erhaltener Perspektiven und Ideen im Freundeskreis zu besprechen, hilft auch offline der Filterblase entgegenzuwirken.

 

Welche Erfahrungen hast du im Netz zum Thema “Filterblase” bisher gemacht? Versuchst du selbst gegen die Isolierung anzusteuern oder ist das alles in deinen Augen nur ein Mythos? Deine Meinung interessiert uns!

 

 

Keyvan

Es gab genau zwei Möglichkeiten: Entweder ich rege mich weiter über vermeintliche Social Media und Content Marketing "Profis" auf oder ich tue etwas dagegen - ich habe mich für Letzteres entschieden und gründete gemeinsam mit meinem Co-Partner die Hamburger Social Media Agentur media by nature, denn: Wir lieben Facebook, Instagram, Twitter & Co. und wissen genau welche Taktiken hier für langfristige und nachhaltige Ergebnisse sorgen. Übrigens: meinen Kaffee trinke ich immer schwarz und freie Minuten gehören voll und ganz meiner kleinen Familie zuhause.