Automatisierte Crossposts – oder: Wie du deine Authentizität komplett verlierst

Ugh, manchmal fällt es mir extrem schwer, nicht in Rage zu verfallen, wenn ich mir Profile bei Facebook, Twitter und Co. anschaue und merke, dass der Beitrag nicht speziell für dieses eine Netzwerk verfasst wurde. Mal ehrlich: Wenn ich schon ein und denselben Inhalt auf mehreren Netzwerken gleichzeitig publiziere (was ja durchaus okay ist), dann doch bitte so, dass es auch „passt“. Und dann auch noch wundern, wenn Social Media nicht funktioniert…

Eine Fanseite auf Facebook, ein Twitter-Channel, eine Google+ Seite und weitere Profile in anderen sozialen Netzwerken: Viele Unternehmen starten gleich auf breiter Front – das ist durchaus richtig, auch, wenn nicht jedes Netzwerk für die eigenen Zwecke geeignet ist. Was allerdings nicht geht, ist:

  • Sich auf jedem Netzwerk anmelden.
  • Schnell die Lust an Social Media verlieren.
  • Nur noch ein Netzwerk aktiv nutzen.
  • Beiträge des aktiven Profils automatisch (!) an andere Netzwerke senden lassen.

Häufig fehlt auch einfach die Zeit, um für alle Netzwerke eine eigene Strategie, einen Redaktionsplan und eine entsprechende Betreuung auf die Beine zu stellen – dann sollte man es jedoch gleich bleiben lassen. „Besser ein bisschen, als gar nicht“? Dann lieber gar nicht, denn: Die Fans und Follower sind nicht doof. Ganz und gar nicht.

Wie erkennen deine Fans und Follower (schlechte) automatisierte Crosspost?

Mit automatisierten Beiträgen meine ich nicht, per Social-Media- Tool vorausgeplante Beiträge für ein (!) Netzwerk – das ist vollkommen legitim und ermöglicht auch das Posten nach der eigentlichen Kernarbeitszeit. Vor allem, wenn die eigene Fanbase zu später Stunde online ist (das lässt sich über die Statistiken und entsprechendes Monitoring herausfinden), ist das eine gute Möglichkeit, um die eigene organische Reichweite zu erhöhen.

Wer viel bei Facebook, Twitter, Google+ und anderen Netzwerken unterwegs ist, kennt auch deren spezielle Funktionen. Ein Beispiel ist der „Retweet“ von Twitter, der im Grunde genommen das Teilen eines anderen Userbeitrags beschreibt. Und nun frage ich mich: Was hat ein Retweet auf Facebook verloren? Retweete ich einen Beitrag sollte er bei Twitter bleiben und nicht zusätzlich auf der Facebook-Timeline landen. Selbst deutsche „Promis“, wie Oliver Pocher (oder deren Berater / Agenturen) sind da nicht ganz auf der Höhe.

pocher_FB_Retweet

Dasselbe lässt sich natürlich auch andersherum und bei anderen Netzwerk-Kombinationen beobachten. Wer Beiträge auf Facebook automatisch auch noch an seine Follower twittert, stößt schnell an seine Grenzen – und zwar in Form von 140 Zeichen. Dass Tweets nicht länger sein können, sollte inzwischen angekommen sein. Trotzdem sieht man immer wieder so etwas:

Klar, was ich meine? Der Text des FB-Beitrags wird einfach übernommen und auf 140 Zeichen gekürzt. Dann folgt am Ende nur ein Link, der auf den Post bei Facebook weiterleitet. Ganz ehrlich: Wenn ich nicht einmal die Zeit oder Lust habe, einen 140-Zeichen-Beitrag für Twitter zu verfassen – warum sollte mir jemand folgen oder sich die Mühe machen, meine Beiträge ernsthaft zu lesen?

Warum automatisierte Crossposts deinen Social-Medialen Absturz bedeuten

Ich habe es bereits angedeutet: Social Media, egal in welchem Netzwerk, lebt von Persönlichkeit, Emotionen und dem gegenseitigen Nutzen. Wenn ich interessante Beiträge verfasse und sie mit den spezifischen Funktionen eines Netzwerks promote / verknüpfe, werden andere User früher oder später auf mich aufmerksam. Ob ich hochwertige eigene Artikel poste oder andere Quellen share oder retweete, spielt dabei keine Rolle – es geht nur um zwei Dinge:

  1. Ist der Inhalt für meine Zielgruppe interessant?
  2. Zeige ich mein Gesicht, meine Persönlichkeit – bin ich authentisch?

Und jetzt musst du dich fragen: Wie authentisch und persönlich ist ein Beitrag, der einfach nur automatisch von einem anderen Netzwerk weitergetragen wurde? Deine Follower auf dem „Sender-Netzwerk“ mag das vielleicht nicht interessieren, aber sicher doch die Follower auf dem „Empfänger-Netzwerk“. Und überhaupt: Niemand hat einen Grund, dir bei mehreren sozialen Profilen zu folgen. Du postest doch sowieso nur dasselbe.

Du siehst: Ich reagiere darauf immer ein wenig allergisch, zumal ich es nicht verstehen kann, dass sogar eine ganze Menge „professioneller“ Dienstleister so vorgehen – das hängt wohl aber auch damit zusammen, dass vor allem für KMUs in Deutschland das Thema Social Media noch sehr neu ist. Viele Berater und Agenturen versuchen deshalb, den Aufwand zu minimieren, um die Gewinnspanne zu maximieren – auf Kosten Ihrer Kunden. Und das geht einfach gar nicht.

 

Bildquelle: http://de.123rf.com/profile_davinci 

Keyvan

Es gab genau zwei Möglichkeiten: Entweder ich rege mich weiter über vermeintliche Social Media und Content Marketing "Profis" auf oder ich tue etwas dagegen - ich habe mich für Letzteres entschieden und gründete gemeinsam mit meinem Co-Partner die Hamburger Social Media Agentur media by nature, denn: Wir lieben Facebook, Instagram, Twitter & Co. und wissen genau welche Taktiken hier für langfristige und nachhaltige Ergebnisse sorgen. Übrigens: meinen Kaffee trinke ich immer schwarz und freie Minuten gehören voll und ganz meiner kleinen Familie zuhause.