Experteninterview: Alexander Rus zu Social Signals – bringen sie die SEO wirklich voran?

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Heute gibt es eine kleine Premiere im Socialize Blog: das erste Experteninterview ist am Start. Heute habe ich Alexander Rus, Geschäftsführer der SEO-Agentur Evergreen Media eingeladen, um ein wenig über die Schnittstellen zwischen Social Media Marketing, Content Marketing und Suchmaschinenoptimierung zu sprechen. Eines verspreche ich dir: Wenn du dich schon immer gefragt hast, wie diese drei Dinge zusammenhängen, solltest du unbedingt weiterlesen und die Erkenntnisse wirklich eine Weile wirken lassen. Denn hier wird mit vielen Mythen ordentlich aufgeräumt.

Wer heute erfolgreich sein will, braucht alle Facetten des Online Marketings, die es in einen sinnvollen Mix in die Unternehmensphilosophie zu integrieren gilt. Besonders entscheidend ist dabei (natürlich 😉 ) Social Media Marketing und Content Marketing. Ebenso wichtig ist die Suchmaschinenoptimierung (SEO). Einzeln sind alle drei Marketingformen bereits sehr effektiv. Zusammengenommen machen sie jedoch erst so richtig Laune. Warum das so ist, und welche Rolle Social Signals bei der SEO spielen, erklärt uns Alexander Rus beim allerersten Experteninterview im Social Media Blog von Socialize.

Kurz zu dir Alex: Wofür steht Evergreen Media – oder anders gefragt: Was machen du und deine Mitarbeiter den lieben langen Tag?

Ich komme ja ursprünglich aus dem Bereich Affiliate-Marketing und Black Hat SEO. 2012 habe ich dann die Kurve gekratzt, da klar wurde, wohin sich der Markt entwickelt. Ich muss aber an dieser Stelle sagen, dass ich mir auch heute noch Tricks und Trends bei Black Hat SEOs abschaue, weil sie den ganzen White Hat Schwätzern in der Regel 10 Jahre voraus sind.

Die meisten klassischen SEO-Agenturen wird es meiner Meinung nach in 5 – 10 Jahren nicht mehr geben (auch die Großen, man kennt die Namen), weil sie leider in 2005 steckengeblieben sind und sich nicht ändern wollen, weil das Geld zu verführerisch ist. Sie verärgern ihre Kunden, die aber zu wenig Ahnung haben, als dass sie sofort erkennen, dass sie abgezockt werden. Deswegen dauert es auch noch ein Weilchen bis zum großen Knall 🙂

Bei uns geht es ganz entspannt zu: Deutlich weniger Kunden pro Kopf und keine “magischen” Versprechungen a la “Sie ranken binnen 6 Monaten auf Platz 1 ohne jegliche Mitarbeit. Wir kaufen einfach 5 Links, dann passt das. (Echte Quote von einer der Top 5 SEO-Agenturen in Deutschland)”.

Wir beraten ganzheitlich, denn Platzierungen bei Google werden durch weit mehr als nur SEO beeinflusst. Wir lehnen im Moment ca. 75% der Anfragen ab. Gründe dafür: SEO ist nicht der richtige Ansatz, Spam-Vergangenheit, man will schnelle Resultate, etc.

Aus eigener Erfahrung wissen wir, dass es immer schwieriger wird ein schlechtes bzw. mittelmäßiges Unternehmen bei Google gut zu platzieren. Besonders, wenn man wie wir einen natürlichen und eher defensiven Ansatz verfolgt. Dauerhafte Erfolge stehen bei uns im Vordergrund, da es für ein Unternehmen nichts bringt ein Jahr auf Platz 1 zu stehen, abzukassieren, aber dann dauerhaft in der Versenkung zu verschwinden.

Beispiel: Eine Penguin-Abstrafung fängt man sich schnell ein, wird sie jedoch kaum wieder los.

SEO ist ein wichtiges Werkzeug für den Unternehmenserfolg. Gleichzeitig tun sich einige Schnittstellen mit anderen Marketingtechniken auf – welche sind aus deiner Sicht besonders wichtig?

Das große Problem, das SEO hat, ist, dass es nicht in einem Vakuum existiert. Das heißt beispielsweise: Wenn ein Unternehmen “schlechtes” Marketing betreibt, keine Alleinstellungsmerkmale hat und generell nur das Nötigste bieten will, “echte” SEO keine Option ist. Niemand will auf ein solches Projekt verlinken oder darüber berichten.

Brands are the solution, not the problem. Brands are how you sort out the cesspool. – Eric Schmidt (1)

“Echte” SEO dreht sich darum, eine Expertenstellung aufzubauen. Dabei stehen Inhalte im Mittelpunkt, ganz egal, ob Ratgeber, Videos oder Infografiken. Genau aus diesem Grund ist vor allem Content-Marketing fast schon ein Teil von Suchmaschinenoptimierung. Ohne Content-Marketing geht heute bei Google eigentlich nichts mehr.

Um das Content-Marketing anzutreiben bzw. das volle Potenzial auszuschöpfen, dürfen auch soziale Medien nicht vernachlässigt werden. Es gilt Synergien zu erzeugen.

Social Media ist für mich eine Besucherquelle, die nicht mit Suchmaschinentraffic zu vergleichen ist. Sicher gibt es Überlappungen, aber Leute sind auf einem sozialen Netzwerken in einem komplett anderen Modus und an einer anderen Stelle entlang der Buyer’s Journey. Das heißt, wenn man Social Media erfolgreich nutzen will, muss auf eine ganz andere Art und Weise kommuniziert werden. Auch die Ziele sollten dementsprechend gesteckt werden.

Vor allem der Bereich Social Media Marketing wird immer wieder mit SEO zusammengebracht – „Social Signals“ sind das Zauberwort. Studien von MOZ und SearchMetrics beispielsweise sprechen von einem Zusammenhang von vielen Fans, Likes Retweets etc. und guten Rankings. Kannst du das bestätigen?

Wie einer meiner Lieblings-Black-Hat-SEOs immer zu sagen pflegt: Correlation is not causation. Es gibt zahllose lustige Beiträge darüber. Google vertraut immer nur auf Daten, die schwer zu manipulieren, aussagekräftig und jederzeit verfügbar sind. Da es sich bei Likes, Fans und Follower um Daten von anderen Großunternehmen handelt, schließe ich einen direkten Einfluss aus.

Studien von beispielsweise Stone Temple Consulting zeigen, wie wenig Tweets Google eigentlich indexiert und das sogar nach der Kooperation. Derartig schnelllebiger User Generated Content ist einfach nicht vertrauenswürdig. Aber: Google braucht Twitter für Freshness. Kein Social Network ist näher am Puls. Wer wissen will, wieso Google nicht alles indexieren kann, soll sich dieses Video von Eric Enge zu Gemüte führen.

Jetzt mal meine eigene Meinung beiseite und nur auf den Hausverstand hören: Kann Google es sich leisten Social Signals zu verwenden, wenn Twitter und Facebook sie jederzeit aussperren oder mit der Konkurrenz ins Bett springen könnten? Vor allem Facebook hat ganz eigene Interessen und ist dem Suchmaschinenmarkt mit Sicherheit nicht abgeneigt.

Von Google hört man mal wieder nichts Genaues. Ist es überhaupt rein technisch möglich, dass Social Signals von Google ausgewertet werden?

Google kann die meisten sozialen Netzwerk nur bedingt “crawlen”. Das heißt, viele Zusammenhänge “wer kennt wen?” etc. gehen verloren und machen die Daten so nahezu wertlos. Außerdem gibt es wohl keine Metrik, die leichter zu manipulieren ist, als die Anzahl von Likes oder Followern. Vor allem, wenn man wie Google nicht alle Zusammenhänge “sehen” kann.

Social Signals machen nur Sinn, wenn ich nicht jeden Like oder Follower gleich einstufe. Das selbe gilt ja auch für Links. Ich müsste jedem Follower einen Wert in Sachen Relevanz und Autorität zuteilen. So gut kann Google die sozialen Netzwerke dann aber doch nicht “crawlen”, sodass eine Bewertung ausfällt. Damit KANN es kein direkter Ranking-Faktor sein.

Nehmen wir mal alle Erkenntnisse zusammen, was wäre deine Antwort, wenn man dich fragen würde, ob Social Media Marketing die SEO-Strategie sinnvoll erweitern und unterstützen kann?

Wer sich jeden Tag mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt, muss viel Geduld haben und weiß, dass nicht alles immer einen direkten Effekt haben muss, um lohnenswert zu sein.

Social Media Marketing hilft einer SEO-Kampagne indirekt weiter, indem Synergieeffekte entstehen. Wenn mein Unternehmen beispielsweise viele Fans auf Facebook hat, die sich wirklich am Gespräch beteiligen, steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass unter diesen Fans auch Blogger oder andere Influencer sind, die meinen Inhalten mehr Reichweite verleihen und mich eventuell verlinken. Diese Verlinkungen verbessern meine Platzierungen bei Google, sodass mehr Besucher auf meine Webseite kommen und dort meine Facebook Seite liken. Und so weiter und so weiter.

Infolge meiner gewonnenen Bekanntheit, suchen immer mehr Leute nach meiner Marke im Zusammenhang mit meiner Branche. Dass so genannte Brand-Searches ein wichtiger Ranking-Faktor für Google sind, ist längst bekannt. Zusätzlich hilft mir Google Autocomplete noch öfter gesehen zu werden:

Brands are the solution, not the problem. Brands are how you sort out the cesspool. – Eric Schmidt

 

Was die meisten nicht verstehen: Über Facebook erreiche ich Interessenten, die ich über Google nicht erreicht hätte. Google ist eine Suchmaschine und Facebook ein “Get-Together”. Es gibt also kein Entweder-Oder. Man braucht beides und beide fördern einander (Suchmaschinen-Marketing und Social Media Marketing).

Vielen Dank für das Interview und deine Zeit Alex.

Keyvan

Es gab genau zwei Möglichkeiten: Entweder ich rege mich weiter über vermeintliche Social Media und Content Marketing "Profis" auf oder ich tue etwas dagegen - ich habe mich für Letzteres entschieden und gründete 2012 die Hamburger Social Media Agentur media by nature, denn: Ich liebe Facebook, Instagram, Twitter & Co. und weiß genau, welche Taktiken hier für langfristige und nachhaltige Ergebnisse sorgen. Vollblut-Texter bin ich auch noch, meinen Kaffee trinke ich immer schwarz und freie Minuten gehören voll und ganz meiner kleinen eigenen Familie zuhause.